Manchmal gibt es Zufälle, die sollen wohl so sein!

Bei unserer Weihnachtsfeier vor zwei Wochen lautete noch eine Frage im Quiz von Johannes-Christoph Weis: „Wie hieß der erste Sinzheimer Handballnationalspieler?“
Und just dieser erste Sinzheimer Handballnationalspieler feiert an diesem Samstag seinen 70. Geburtstag.
Herzlichen Glückwunsch, Jürgen Enge!

Wir stellen ihn einmal vor:

„Ich fühle mich nicht wie 70, allenfalls stark 50.“ Jürgen Enge, ehemaliger Schutterwalder Handballtorwart, feiert an diesem Samstag einen runden Geburtstag. Das hat ihn allerdings nicht abgehalten, bereits um 3 Uhr wie jeden Morgen seit 28 Jahren, in seinem Wohnort Diersheim und in Hohbühl, Linx, Holzhausen und Hausgereut an die dortigen Zeitungsabonnenten den Acher- und Bühler Boten (ABB) zu verteilen. Dieses Aufstehen und Verteilen der neuesten Lokalnachrichten in Druckform zu früher Morgenstunde und bei jedem Wind und Wetter sieht er als wichtige Basis für seine körperliche Fitness an. Denn er setzt sich bei der Zustellung der Zeitung auf sein Fahrrad und klappert umweltfreundlich mit Pedalkraft die genannten Dörfer ab, damit die Abonnenten morgens rechtzeitig zum Frühstück die neueste Ausgabe des ABB im Briefkasten beziehungsweise im Zeitungsrohr haben.
Enge ist die Lust an Bewegung in die Wiege gelegt worden: Schon als Kind, aber noch mehr als Schüler, kannte er nur eines: Möglichst schnell das Haus verlassen und gemeinsam mit anderen Sport treiben. Er hatte ein begnadetes Talent für Turnen, Schwimmen und Ballspiele. Aufgewachsen in Sinzheim bei Baden-Baden versuchte er es ganz erfolgreich mit Kicken beim dortigen Sportverein und nebenbei wurde er im Tischtennisspielen in der Jugend Bezirksmeister. Schicksalshaft war aber etwas anderes: Als 16-Jähriger kam er in der ersten Handball-Mannschaft des TB Sinzheim (Vorläufer des BSV Phönix Sinzheim) als „Notnagel“ Mitte der 60er Jahre im Tor zum Einsatz, weil die beiden etatmäßigen Torleute verletzt waren. Davor hatte er noch nie in der Sportart zwischen den Pfosten gestanden. Das „Fremdgehen“ in einer anderen Sportart war ein einziges Erfolgserlebnis. Mit seiner katzenartigen Gewandtheit vernagelte er das Tor des Bezirksligisten geradezu. Auffallend dabei: Enge hatte keinerlei Angst vor aus direkter Nähe abgeschossenen, auf den Kopf gezielten Bällen. Das Talent war sofort erkannt. Es gab allerdings ein Problem: „Wie viele Sportarten willst Du noch ergreifen?“, fragte ihn ein genervter Vater. Als ehemaliger 1.-Amateurliga-Kicker hätte er seinen Sohn lieber weiter im Fußball gesehen. Aus „Trotz“, so Enge, habe er sich für Handball entschieden. Recht bald erkannten höherklassige Vereine und der südbadische Handverband sein Talent. Nach drei Jahren in Sinzheim angelte sich der damals in der Regionalliga (zweite Liga) spielende TuS Schutterwald den jungen Torwart. Zur gleichen Zeit erhielt er zusammen mit dem Südbadener Markus Hädrich eine Berufung in den Kader der Juniorennationalmannschaft. Statt Bezirksliga hieß es große Handballwelt mit Spielen gegen deutsche Spitzenklubs wie TSV Milbertshofen oder TSV Birkenau. Sogar einen Anruf des Kieler Trainer will Enge damals erhalten haben. Schwer zu verkraften für einen jungen Sportler, der noch kurz davor für 50 Pfennig oder eine Mark in der Stunde Kohle in einem Raiffeisenmarkt geschippt hatte, um sich am Wochenende einen Kinobesuch leisten zu können. „Ich war ein zu großer Hallodri und zu heimatverbunden, um die Chance zu begreifen“, sagt Enge. So blieb er im Südbadischen und hatte als Torwart in allen möglichen Vereinen der Region Engagements über den damaligen Oberligisten Marlen über Willstätt bis hin nach Auenheim, wo er noch als Mittvierziger in der Landesliga zwischen den Pfosten stand.
Weit bemerkenswerter ist aber, dass Jürgen Enge seit sage und schreibe 46 Jahren als Handballschiedsrichter zwischen Schwarzwald und Rhein unterwegs ist, seit 21 Jahren pfeift er für den TV Willstätt. Längst sind es keine hochklassigen Mannschaften mehr, deren Spiele er leitet, aber immerhin noch Landesliga bei den Damen und Südbadenliga in der Jugend. „Die 50 Jahre als Schiedsrichtertätigkeit will ich unbedingt schaffen“, meint Enge optimistisch in die Zukunft blickend.

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